The Boy — Pup­pen­gru­sel nicht in gewohn­ter Chu­cky-Manier — Review
Sto­ry75%
Gru­sel85%
Bild85%
Ton90%
Shaker­spaß78%
83%Gesamt-Wer­tung

Die jun­ge Ame­ri­ka­ne­rin Gre­ta (Lau­ren Cohan, „The Wal­king Dead“) könnte es mit ihrem Job als Nan­ny im ländlichen Groß­bri­tan­ni­en gar nicht bes­ser getrof­fen haben. Bereits die Taxi­fahrt zum herr­schaft­li­chen Anwe­sen der Heelshires sug­ge­riert die Ruhe und Abge­schie­den­heit, die Gre­ta nach trau­ma­ti­schen Erleb­nis­sen in ihrer Hei­mat offen­sicht­li­ch drin­gend braucht. Dass sie ihre künftigen Arbeit­ge­ber zunächst gar nicht antrifft, ist nicht wei­ter schlimm: Auf Strümpfen erkun­det sie das ver­wun­schen wir­ken­de Her­ren­haus, in dem sie erst der örtliche Lebensmittelhändler Mal­colm (Rupert Evans, „The Man In The High Cast­le“) aus ihren Träumen reißt. Zwi­schen den bei­den ent­spinnt sich ein Flirt, der von der Dame des Hau­ses, Mrs. Heelshire (Dia­na Hard­cast­le), rüde unter­bro­chen wird. Für Gre­ta sei es an der Zeit, ihre Schu­he wie­der anzu­zie­hen und ihren künftigen Zögling ken­nen­zu­ler­nen. Aber ihre Stie­fe­let­ten sind spur­los ver­schwun­den und Heelshire Junior ist ganz anders, als von Gre­ta erwar­tet.

Denn als ein ernst­haft wir­ken­der Mr. Heelshire (Jim Nor­ton) den Bli­ck auf den achtjährigen Brahms frei­gibt, bricht Gre­ta zunächst in ungläubiges Gelächter aus: Brahms ist ledig­li­ch eine Por­zel­lan­pup­pe. Schnell muss die jun­ge Ame­ri­ka­ne­rin ler­nen, dass es ihren künftigen Arbeit­ge­bern bit­ter­ern­st ist: Gre­ta soll sich nach einem erfolg­rei­chen Test­lauf in Sachen Akzep­tanz durch den „Kna­ben“ um Brahms kümmern und für einen fürstlichen Lohn ledig­li­ch ein paar Grund­re­geln befol­gen, während die Heelshires in den drin­gend benötigten Urlaub fah­ren: Nie soll sein Gesicht abge­deckt wer­den, die täglichen Spei­sun­gen fol­gen einem eben­so strik­ten Ablauf­plan wie die Vor­be­rei­tung der Bett­ru­he oder die Zer­streu­ung mit Musik oder Poe­sie. Weil sie Geld und Abge­schie­den­heit drin­gend benötigt, lässt Gre­ta sich auf den Deal ein und lässt nach der Abrei­se der Heelshires sämtliche gute Vorsätze wie­der fal­len. Was kümmert es schon eine zuge­ge­be­ner­ma­ßen unheim­li­ch wir­ken­de Pup­pe, wenn man sie zu füttern unterlässt?

Greta (Lauren Cohan) hält das, was sie erlebt, für einen grausamen Scherz. © capelight pictures

Gre­ta (Lau­ren Cohan) hält das, was sie erlebt, für einen grau­sa­men Scherz. © cape­light pic­tures

Ab die­sem Punkt ent­fal­tet die Sto­ry ihr vol­les Poten­ti­al und hebt sich fri­sch von ande­ren ähn­li­ch wir­ken­den Ver­tre­tern des Pup­pen­hor­rors ab. Ange­fan­gen bei der bild­ge­wal­ti­gen Kulis­se des traum­haf­ten Her­ren­hau­ses, hat Regis­seur Wil­liam Brent Bell alle Regis­ter gezo­gen, uns den Traum von sol­ch einem Anwe­sen mit einem faden Bei­ge­schmack zu ver­se­hen. The Boy wur­de wun­der­bar insze­niert und Lau­ren Cohan als Gre­ta über­zeugt mit klei­ne­ren Cha­rak­ter­schwä­chen in ihrer son­st her­vor­ra­gend gespiel­ten Rol­le. Die Mischung aus Bild­ge­walt und dem her­aus­ra­gen­den Dol­by Atmos-Ton der deut­schen Blu-Ray zieht einen noch wei­ter in das Gesche­hen auf der Matt­schei­be, als dass man sofort mit Gre­ta mit­fie­bert. Die Schock­mo­men­te sind fast immer klas­se plat­ziert, als dass die­se die Stim­mung wei­ter an den Zuschau­er trans­por­tie­ren. Net­te Twists inner­halb der Sto­ry sind natür­li­ch eben­falls vor­han­den aber die­se wol­len wir nicht vor­weg­neh­men. Der Groß­teil ist nicht direkt vor­her­seh­bar, aber eine Ahnung gibt es immer hin und wie­der als Gen­re-Ken­ner. Auf­grund der FSK 12 Frei­ga­be läßt sich natür­li­ch erah­nen, dass der Film nichts für den geneig­ten Goreh­ound ist, son­dern sich klar um einen Gru­sel­film han­delt.

Wir haben uns eben­falls nicht lum­pen las­sen und direkt unse­re Reck­horn Bass-Shaker mit ange­schlos­sen, um zu sehen ob wir bei die­sem Film unse­ren Spaß damit haben. Was soll ich sagen? Gera­de die ers­ten Schock­mo­men­te sind exzel­lent und die Bass-Shaker fun­gie­ren als “Per­son hin­ter dem Sitz”, wel­che einen in der rich­ti­gen Situa­ti­on anstubst, um den Scho­ck zu inten­si­vie­ren. Klas­se! So haben wir uns das vor­ge­stellt. Natür­li­ch passt es nicht immer zu 100%, aber die Shaker waren nie “auf­dring­li­ch”, sodass man den Film eine unein­ge­schränk­te Bass-Shaker-Emp­feh­lung aus­spre­chen kann.

Ergebnis

Die Sto­ry rund um Brahms kommt an weni­gen Stel­len ein wenig vor­her­seh­bar daher, was aber der Gru­sel­fak­tor gera­de durch den bril­lan­ten Ton der Blu-Ray von Cape­light Pic­tures, wett machen kann. Der Atmos-Ton ist her­vor­ra­gend abge­mischt, sodass uns unse­re Reck­horn-Bass-Shaker meist exakt das Fürch­ten gelehrt haben, indem sie den Gru­sel gekonnt unter­malt haben. Kla­re Shaker-Emp­feh­lung und Kauf­emp­feh­lung! Das gute Stück erscheint am 23.06.2016 in fast allen erdenk­li­chen For­ma­ten, sodass man sicher­li­ch das For­mat sei­ner Wahl fin­det.

Klei­ner Hin­weis am Ende: Wer am Frei­tag den 10.06.2016 bei uns vor­bei schaut, wird die Gele­gen­heit haben an unse­rem The Boy Gewinn­spiel teil­zu­neh­men und even­tu­ell das Media­book zu gewin­nen.

Über den Autor

Ambitionierter Horror-Fan und Puppet-Master von horror-news.com